Pfarrer verlässt entnervt Altrip

Als Pfarrer Johann Friedrich Hüthwohl das Pfarrhaus im Jahr 1800 bezog, da waren erst die schlimmsten Schäden im Ort nach dem verheerendsten Eis-Hochwasser des Jahres 1784 behoben. Das Pfarrhaus, in dem sein Schwiegervater seine Amtszeit 1784 begann, war neu gebaut und trägt heute über dem Hauseingang eine Widmungstafel zur Erinnerung an Pfarrer Johann Wilhelm Faber.

Hüthwohl wurde am 8. September 1771 als Sohn des Bürgermeisters Daniel Hüthwohl in Steeg geboren, das heute ein Stadtteil von Bacharach ist. Nach dem Besuch der Lateinschule und des Gymnasiums in Bacharach trieb es ihn nach Heidelberg, wo er nach vierjährigem Religionsstudium 1792 sein Examen ablegte.

Nach Anstellungen als Vikar in Büchenbeuern, als Hofmeister in Koblenz und Vikar in Steeg, kam er als Hofmeister zu Familie Schmalz nach Mannheim, wo er erstmals Kontakt mit seiner späteren Frau, Wilhelmina Friederica hatte. Die Hochzeit fand 1801 in Altrip statt und den Eheleuten entsprossen in Altrip sechs Buben, während unter den fünf Kindern seines Schwiegervaters vier Mädchen waren..

Obwohl beim Amtsantritt des Pfarrers Altrip nur 236 Seelen zählte, darunter 29 Katholiken, gab es vier Gaststätten: „Zum Hirsch“, „Zum roten Löwen“, „Zum Karpfen“ (ab 1720) und „Zum Schwanen“. Später kam noch das Lokal „Zum schwarzen Trauben“ hinzu.

Altrip war Grenzort und die Besatzungslasten der Franzosen drückend. Hüthwohl erhielt als Greffier sein Gehalt von der Gemeinde, so im 14. und letzten Jahr in der Französischen Republik nach dem französischen Revolutionskalender (1806) für ein Jahr und 100 Tage 192 fr und in den folgenden Jahren jeweils 150 fr.

Der reformierte Schulmeister Adam Schwind erhielt aus der Gemeindekasse im Jahr 1807 nur 51 fr 71 c und musste sich durch Nebenverdienste über Wasser halten. 1808 erhielt das Pfarrhaus einen neuen Ofen und 1821 ein Backhaus, Scheune und Schweineställe, was die Gemeinde finanzierte und dafür 355 fl. 22 kr veranschlagte. (Die Währung hatte mittlerweile nach dem Abzug der Franzosen und dem Wiener Kongress (1815) gewechselt).

Privat hatte der Pfarrer großes Pech. Der Erstgeborene starb bereits nach einem Jahr, ein Sohn nach vier Monaten am Silvestertag 1813, ein weiterer Sohn starb mit 10 Jahren und von zwei weiteren ist nichts Genaues überliefert. Nur Sohn Carl Christian Heinrich entwickelte sich und wurde ebenfalls Pfarrer und trat 1839 in Zeiskam seine erste Stelle an.

Der Rhein als wilder Geselle machte Pfarrer Hüthwohl schwer zu schaffen. In den Jahren 1813, 1817, 1818, 1819 und 1824 kam es zu Totalüberschwemmungen und zum Teil trieben die Bauern ihr Vieh in die etwas höher liegende Kirche. 1803 erlebte der Geistliche auch noch den hier zugefrorenen Rhein und längere Zeit eine klirrende Kälte.

Nur einmal hatte der Prediger des Wortes des Herrn Glück, denn 1814 hatte man ihn zum Lokalkonsistorialpräsidenten ernannt. Das letzte Hochwasser aber hatte ihn wohl so genervt, dass er nur noch eines wollte: Fort von Altrip. Und dies wurde dem leidgeprüften Mann und seiner Familie auch ermöglicht. Von 1824 bis 1829 hatte er die Pfarrstelle in Alsenborn inne und vom Dezember 1829 bis zu seinem Tod am 22. Januar 1831 jene in Erpolzheim.

(Quelle: Wolfgang Schneider | 2020)

Das 1784 eingeweihte Altriper Pfarrhaus in einer Aufnahme vom Ende des 19. Jahrhunderts. Im Eingang steht Pfarrer Horst Buchholz, der 1894 die jetzige Kirche einweihte.Das 1784 eingeweihte Altriper Pfarrhaus in einer Aufnahme vom Ende des 19. Jahrhunderts. Im Eingang steht Pfarrer Horst Buchholz, der 1894 die jetzige Kirche einweihte.

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