Altriper Handwerker von 1651 bis 1910

Zur Geschichte des Handwerks

Das Handwerk ist die älteste Form gewerblicher Tätigkeit. Schon sehr früh wurden gewerbliche Fertigkeiten innerhalb der Familie oder Sippe vererbt, die Fremden gegenüber geheimgehalten wurden. So entstand eine strenge Bindung der Spezialkenntnisse an die Familie, später in etwas aufgelockerter Form an die Gilden, Zünfte und Innungen.

In den Hochkulturen des Altertums war die handwerkliche Tätigkeit meist Sache der Unfreien. Große Bedeutung erlangte das Handwerk in den Städten des Mittelalters; in dieser Zeit entstanden nicht nur noch heute bewunderte handwerkliche Kunstwerke (Dome, Kunstschmiedearbeiten, Patrizierhäuser usw.), der Handwerker (Meister) war auch überhaupt die tragende Kraft der Stadtwirtschaft.

Mit dem Aufkommen von Fabrikbetrieben im 19. Jahrhundert und der fortschreitenden Industrialisierung schien der Untergang des Handwerks bestimmt. Tatsächlich vollzog sich aber ein Strukturwandel der Art, dass alle serienmäßig herzustellenden Produkte der Industrie zufielen, während alle Güter, die eine individuelle und hochwertige Handarbeit verlangten, dem Handwerk verblieben.

 
Die Handwerker in Altrip

Im folgenden werden die Handwerke alphabetisch aufgeführt und die Ausführenden nach zeitlicher Einordnung ihrer Erwähnung in den Kirchenbüchern und Standesamtregistern. Dabei ist es die Regel, dass der Sohn vom Vater das Handwerk erlernt und den Betrieb übernimmt, so dass wir ganze Generationen von Handwerkerfamilien feststellen können.

  • Die Bäcker
    Wohlfahrt, Hans Jakob (1653); Kuhn, Conrad (1699); Hardtmann, Friedrich (1738), Bäckermeister; Knauber, Nikolaus (1836); Köhler, Karl Philipp (1839); Engelhorn, Christoph (1840); Knauber, Ludwig (1859), Sohn des Knauber, Nikolaus; Weber, Stephan (1871), war auch Wirt; Fuchs, Karl Jakob (1874); Knauber, Mathäus II. (1873), Bäckermeister, Sohn des Knauber, Nikolaus; Schneider, Adam II. (1881), Bäckermeister; Volk, Karl Josef (1893); Engelhorn, Christoph (1898); Krauß, Heinrich II. (1906), Bäckermeister. Die Bäcker backten nicht täglich, sondern ein- bis dreimal die Woche. Das meiste Brot wurde natürlich von den Bäuerinnen im häuslichen Backofen gebacken.
     
  • Die Holzschuhmacher
    Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Altrip die ersten Holzschuhe hergestellt. Da die Lederschuhe zu dieser Zeit zu teuer waren, um immer getragen zu werden, fertigte man Holzschuhe an. Das Grundmaterial Pappelholz hatte man vor der Tür. Der erste Holzschuhmacher in Altrip war Schweikert, Friedrich (1857). Schweikert, Valentin II. (1869); Baumann, Friedrich (1871); Schneider, Conrad II. (1874); Schweikert, Jacob (1881) waren die weiteren Holzschuhmacher in unserer Gemeinde.
     
  • Die Korbmacher (Korbflechter)
    Ein uraltes, weitverbreitetes Handwerk; Heute fast nur noch als Nebenbeschäftigung und als Liebhaberei betrieben. Die Hauptflechtpflanze ist die Weide; ferner verschiedene natürliche und künstliche Flechtstoffe. Der erste Korbmacher ließ sich um das Jahr 1804 in Altrip nieder. Es war Springer, Ludwig. Es folgten seine Söhne Philipp Friedrich (1837) und Conrad (1838); Conrad Springer (1859), Sohn des vorgenannten Conrad Springer. Also eine ganze Korbmacherdynastie. Weitere Personen, welche diesen Beruf in Altrip ausübten waren: Heißt, Jakob (1815); Munk, Konrad (1823) und Brückner, Michael (1889).
     
  • Die Maurer
    Lindenfelser, Georg Adam (1766); Müller, Joseph (1789); Rief, Mathäus (1800); Kotter, Konrad (1827); Rief, Jakob (1828); Scheffel, Michael (1833); Rief, Heinrich (1838); Beyler, Conrad (1839); Hofacker, Jacob (1845); Hix, Karl Friedrich (1861); Kotter, Konrad (1862); Schäf, Johannes (1864); Hofacker, Peter (1871); Hofacker, Jacob (1872); Wetzler, Karl Friedrich (1873); Dörrmann, Conrad (1884); Kuntz, Valentin (1887); Hochlehnert, Ludwig Johann (1889); Müller, Karl Friedrich Adam (1889); Kotter, Jacob (1889); Hochlehnert, Georg Jakob (1900); Hofacker, Peter II. (1901), Baumeister; Hofacker, Philipp (1905), Maurermeister; Lemmert, Friedrich (1906); Staubitz, Georg (1906); Spindler, Josef (1908); Gropp, Friedrich (1908); Hört, Karl (1909); Kramer, Peter (1909); Kolb, Jakob (1910). Auch hier gibt es Familien, bei denen der Beruf des Maurers über Generationen fortgeführt wurde.
     
  • Die Metzger
    Hoffmann, Dietrich (1694); Seib, Johannes (1727); Bär, Jakob (1753); Weber, Leonhard (1835) und Polizeidiener; Hört, Philipp (1842); Hook, Philipp Karl (1848); Hook, Adam VI. (1866) und Wirt; Spitzfaden, Valentin (1878); Hook, Adam VII. (1882); Hoffmann, Edmund Konrad (1896) und Ziegeleiverwalter; Fippinger, Johannes (1905); Schweimayer, Joseph (1905); Frei, Friedrich Wilhelm (1910); Stollhof, Johannes (1910). Metzgereien, wie man sie heute vorfindet, gab es in früherer Zeit nicht. Die Metzger lebten in der Hauptsache von Hausschlachtungen. Auch verdienten sich manche Metzger durch die Ausübung einer zusätzlichen Tätigkeit ihren Lebensunterhalt, zum größten Teil als Wirte.
     
  • Die Schlosser
    Schönholz, Jacob (1845); Detzner, Johannes (1888); Etter, Jakob (1894); Baumann, Georg (1896); Sommer, Georg (1897); Kretzer, Adolf Johann Julius (1901), Schlossermeister; Held, Ludwig (1904); Mitsch, Johann (1904); Größer, Peter Adam (1907); Hehr, Karl Gottlob (1910). Wie bei anderen Berufszweigen, so gibt es auch hier Familien, die über Generationen diesen Beruf ausübten (z.B. die Familien Baumann und Kretzer).
     
  • Die Schmiede (Hufschmiede)
    Schleicher, Johannes (1777); Engelhardt, Johann Valentin (1790); Gropp, Johannes (1841); Kirsch, Jacob (1843), Hufschmied; Hornig, Heinrich II. (1856), Hufschmied; Schück, Adolf Jacob (1873); Göck, Georg Michael (1891), Hufschmied; Hook, Ludwig (1893), Hufschmied; Hilgert, Heinrich (1893); Hug, Friedrich (1900); Lebherz, Christian Wilhelm (1905); Kreile, Johann (1909).
     
  • Die Schneider
    Jacob, Andreas (1673); Wolfahrt, Valentin (1705); Müller, Kilian (1720); Sponagel, Hans Peter (1733); Schwitzgöbel, Wilhelm (1734), Schneidermeister; Dorn, Hermann (1767); Weber, Christoph (1769), Schneidermeister; Jörg, Georg Michael (1777), Schneidermeister; Münch, Peter (1783); Kirschner, Philipp (1786); Krison, Peter (1797), Schneidermeister; Himmel, Johann (1801); Karl, Georg Friedrich (1802); Schwind, Philipp Wilhelm (1813); Münch, Jacob Georg (1810, 1835); Marx, Konrad I. (1828) u. Waldschütz; Kirschner, Michael (1846); Hört, Philipp Wilhelm (1853); Herrgen, Ludwig (1873), Schneidermeister; Ketzer, Nikolaus (1884); Deutschel, Martin (1892); Bein, Georg (1899); Hook, Karl (1901), Schneidermeister.
     
  • Die Schuhmacher
    Bürkel, Peter (1706); Wieser, Johann Niklaus (1718); Hornig, Melchior (1719); Schütter, Daniel (1734); Fischer, Gerhardt (1737); Schied, Daniel (1743); Brenner, Johann Jacob (1771), Schuhmachermeister; Provo, Peter(1821); Oster,Jacob (1823); Kaufmann, Jacob (1839); Oster, Jacob I. (1848); Finger, Thaddäus (1862); Braun, Johannes (1866); Schneider, Peter (1867); Dritschler, Heinrich (1871); Reimer, Johannes (1878), Schuhmachermeister; Schneider, Peter David (1889); Dohl, Wilhelm August (1893). Bei den Schuhmachern ist es die Familie Oster, in der dieser Beruf über Generationen fortgeführt wurde.
     
  • Die Wagner
    Schulz, Nikolaus (1808); Schulz, Johann Heinrich (1838); Bayer, Jacob (1855); Schulz, Heinrich (1867); Schulz, Nicolaus (1871); Unverrich, Nikolaus (1892), und Schreiner; Unverrich, Heinrich (1898), und Wirt. Schulz und Unverrich, Familien, bei denen der Beruf des Wagners über Generationen weitergeführt wurde.
     
  • Die Weber
    Weyand, Ludwig (1721); Klein, Albert (1732); Bargeld, Hans Jakob (1733); Dick, Johann Konrad (1746); Bargeld, Johann Sebastian (1748); Hetzer, Johann Ludwig (1749); Schmitt, Johann Henrich (1754); Fischer, Johann Peter (1760); Knauber, Johann Martin (1760), Webermeister; Dorian, Johann Peter (1776), Webermeister; Bargeld, Johann Valentin (1777), Webermeister; Freyhöfer, Georg Henrich (1784), Webermeister; Knauber, Johann Michael (1790), Webermeister; Klauer, Jacob (1792), Webermeister; Knauber, Abraham (1806); Stork, Johannes (1824); Klauer, Georg (1826); Kurz, Joseph (1826); Welsch, Martin (1835), Baumann, Johannes (1841, 1849); Hauk, Philipp (1844); Hartmann, Johann Philipp (1848); Welsch, Johann Martin (1852); Schneider, Michael V. (1858). Wie die Auflistung zeigt, gab es in Altrip von Anfang des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig viele Personen, die den Beruf des Webers ausübten.
     
  • Die Zimmerleute (Schreiner)
    Wolff, Johann Friedrich (1774), Zimmermann; Deutschel, Joseph (1819), Zimmermann; Hartmann Georg Jakob (1850), Schreiner; Fries, Heinrich (1868), Schreiner; Knoblischeck, Peter (1873), Zimmermann; Hauk, Martin II. (1880), Schreiner; Schneider, Franz (1887), Schreiner; Lenz, Jacob (1887), Schreiner; Schwab Georg (1896), Zimmermann; Wüst, Wilhelm Theodor (1899), Zimmermann; Heiden Philipp (1904), Zimmermann; Weber, Emil (1910), Schreiner.
     

Weitere Handwerker waren:

  • Barbiere (Friseure): Gärtner, Konrad (1847); Hornig, Jakob V. (1843, 1870); Klauer, Georg (1864)
  • Gärtner: Schneider, Michael XI. (1896)
  • Küfer: Oster, Theobald (1833); Hört, Philipp III. (1859)
  • Bierbrauer. Seiler: Schulz, Louis Richard Hermann Alwin (1900)
  • Spengler: Gaul, Jakob (1891).
  • Steindrucker: Biffar, Leonhard (1876)
  • Steinhauer: Von Berg, Valentin (1892)
  • Töpfer: Lemmert, Valentin (1907)
  • Tüncher u. Lackierer: Weißling, Wilhelm (1910)
  • Uhrmacher: Schirm, Friedrich Gustav (1904)

Alle Jahresangaben (die Zahlen in Klammern) sind den Heiratsregistern der Kirchenbücher und den Standesamtregistern entnommen. Es ist der zum Zeitpunkt der Heirat ausgeübte Beruf. Über Handwerker, die in diesen Jahren zugezogen sind und von denen keine Eintragungen vorhanden sind, können verständlicherweise keine Angaben gemacht werden.

(Erich Schneider / 1999)