Sumpfgebiet trockengelegt und Schöpfwerk gebaut

Fährt man von Rheingönheim nach Altrip, so ist gleich nach der Rehbachbrücke in einer scharfen Rechtskurve ein Bauwerk zu sehen, das viele Betrachter für eine alte Trafostation halten. Tatsächlich war es einmal Teil einer technischen Anlage von allergrößtem Wert für die Umgebung, denn es war ein Pumpwerk, das in einem Einzugsbereich von nahezu 1.500 Hektar für hochwasserfreies Gelände sorgte.

Nach dem Sommerhochwasser von 1910, bei dem fast 80 Prozent der Altriper Gemarkung knapp drei Monate unter Wasser stand, verstummte der Ruf nach Abhilfe nicht mehr. Doch erst Bürgermeister Carl Baumann, der 1932 in Altrip den Freiwilligen Arbeitsdienst einführte und diese Entwässerungsgräben ziehen ließ, sowie seine Feststellung, dass der Wasserspiegel des Rheins in 75 Tagen des Jahres über dem des Neuhofener Altrheins lag, läutete eine neue Ära ein. 1934 wurde in Altrip eine ''Genossenschaft zur Entwässerung der Rheinniederung in den Steuergemeinden Altrip, Neuhofen und Rheingönheim'' mit Sitz in Altrip und unter Vorsitz von Carl Baumann gegründet. Bei Rheinhochwasser mussten, damals wie heute, die Schleusen geschlossen werden mit der Folge, dass Druck- und Niederschlagswasser nicht mehr abfließen konnte und somit weite Teile der Gemarkung unter Wasser standen.

Sumpfgebiet trockengelegt und Schöpfwerk gebaut

Zwischen dem Neuhofener Altrhein und dem Rehbach wurde in zweijähriger Arbeit ein Stichkanal gebaut. Dieser Kanal hatte eine Tiefe von vier Metern sowie eine obere Breite von zwölf Metern. Mit Spaten und Schaufel wurde dieser Kanal in einer respektablen Länge von 1.000 Metern aufgeworfen. Die meisten Arbeiten mussten dabei von den Arbeitsdienstmännern in Wasser und Schlamm ausgeführt werden. Schmälere Zubringergräben von über zehn Kilometern Länge mündeten in den Neuhofener Altrhein. Damit die Gräben auch tief genug sein konnten, musste der Wasserspiegel des Altrheins um 1,18 Meter abgesenkt werden, wodurch sich seine Wasseroberfläche von 57 auf 32 Hektar verkleinerte.

Die Krönung des Entwässerungssystems bildete das Schöpfwerk, das 1935 in Betrieb ging, mit einer Elektropumpe, die damals schon mit Nachtstrom betrieben wurde und 6.000 Kubikmeter Wasser pro Stunde in das Vorland beförderte. Zwei Rohrleitungen mit 120 und 70 Zentimeter Weite führten in acht Metern Tiefe unter der Bezirksstraße hindurch. Ein Schwimmbagger schuf im Altrhein eine zehn Meter breite Rinne, um für den nötigen Wasserablauf zu sorgen. Ein Fischgitter ermöglichte ein ungehindertes Aufsteigen der Fische.

Und so wurde ein 321 Hektar großes Sumpfgebiet, in dem sich viele Schnakenlarven tummelten, entwässert und auch die Regenwassermassen aus dem bebauten Ort flossen über dieses Grabensystem ab. 1955 wurde ein neues Schöpfwerk, rund 500 Meter vom alten Standort in Richtung Altrip, am Kiefweiher errichtet, das zwei Pumpen und eine Werkswohnung umfasste. Seit 1972 Jahren liegt dieses Werk jedoch still und nur die Gräben werden regelmäßig von einem Spezialunternehmen ''geputzt''. 

(Wolfgang Schneider | September 1999)