Schwierige Ehrung für ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert

Nach dem Tod des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert am 28. Februar 1925 war es für die Altriper SPD eine Herzensangelegenheit, den im Juni 1925 eingeweihten Waldpark mit Festplatz auf dem Waldstück ''Großer Horst'' nach dem Verstorbenen zu benennen. Doch Altrips Bürgermeister Adam Jacob, der mit seiner Bürgervereinigung die Mehrheit im Rat hinter sich hatte, verhinderte dies. Dagegen beschloss der Rat am 14. Januar 1927 einstimmig, den bisherigen Speyerer Platz zu Ehren Eberts umzutaufen.

Im November 1932 beantragten die Altriper Genossen, auf diesem Platz auch einen Ebert-Gedenkstein errichten zu dürfen. Obwohl Adolf Hitler am 30. Januar 1933 schon zum Reichskanzler ernannt war, forderte die Dreimann-Fraktion der SPD noch am 2. Februar die Instandsetzung des Ebert-Platzes. Dabei gab es nur eine Gegenstimme. Über den ''Abweichler'' meinte die Altriper SPD: ''Wir kennen ja die Einstellung des Herrn. Wenn das dritte Reich kommt und er wird Befehlshaber, kann er ja das Denkmal abreißen lassen.'' Und noch am 16. Februar wollte der ''Arbeiterführer im Gemeinderat'', Karl Gropp, wissen, ob die Pächter der Gärten auf dem Ebert-Platz von der in Kürze zu erwartenden Errichtung eines Denkmals informiert wurden.

Das Landesbauamt in Speyer konnte jedoch nicht mehr gehört werden und die polizeiliche Genehmigung stand ebenfalls noch aus, als die drei SPD-Gemeinderäte im März 1933 zurücktreten mussten. Der nun verkleinerte Gemeinderat setzte sich nur noch aus zehn Mitgliedern zusammen, wobei nach dem letzten Reichstagsergebnis der NSDAP sechs und der SPD vier Mandate ''zugebilligt'' wurden. Damit waren die Ebert-Gedenkstein-Pläne gestorben und der Platz wurde nach dem SA-Mann Horst Wessel benannt.

Nach dem zweiten Weltkrieg tauften die SPD und KPD den Platz auf den Namen ''Karl-Marx'' und erst im Zuge der Bebauung der Gewanne Blechlache zu Beginn der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts kam Friedrich Ebert mit der Umtaufe eines Teils der Schlossgasse erneut in der Rheingemeinde zu Ehren.

(Wolfgang Schneider | April 2000)