Trauring aus Rheingold

Schöne und tragische Liebesgeschichten gab es zu allen Zeiten. Aus Altrip ist jedoch eine ganz besondere Geschichte um Liebe, Gold und Trauer überliefert. Es war der Ackerer Peter Hook IV., dem kurz vor dem Jahreswechsel 1863 die Frau mit 39 Jahren verstarb und ihm vier minderjährige Kinder zurückließ. Damals musste in einer solchen Situation ein Mann versuchen, alsbald wieder zu heiraten. Nicht so Peter Hook. Seine Mutter kümmerte sich sofort um die Kinder und war vielleicht sogar froh darum, denn sie war bereits verwitwet und Peter ihr einziger Sohn. Peters Vater war in Altrip von 1846 bis zu seinem Tod 1858 Bürgermeister und ein gut situierter Gutsbesitzer gewesen.

Der Witwer entbrannte nach gut einjähriger Suche in heftiger Liebe zur 18 Jahre jüngeren Susanna Schneider, die ebenfalls in Altrip wohnte. Nachdem der bayerische Staat 1863 das Goldregal aufgehoben hatte, durften endlich die Goldwäscher am Rhein frei über ihre Ausbeute verfügen. Peter Hook war nach Überlieferung von Karl Provo (1845 bis 1918) der einzige Altriper, der einen Trauring aus selbst gewaschenem Rheingold anfertigen ließ. Neben seiner Arbeit in der Landwirtschaft arbeitete er an einer „Seife” am Rhein. Das war eine Ablagerung von Sand und Kies, in der er für seine Liebste schuftete.

Erst wenn er das Rheingold zusammen hatte, sollte die Hochzeit sein. Eine Tonne Sand enthielt aber nur etwa 0,1 Gramm Gold und die Chance, den im Rhein versenkten Goldschatz des Hagen von Tronje zu finden, war gering. Und so schuftete Peter Hook zwei Jahre nebenher für den Rheingoldring.

Dann kam ohnehin der Altriper Rheindurchbruch und in dem dann schneller fließenden Strom war ohnehin an den Goldbänken nichts mehr zu gewinnen. Peters Susanna war mittlerweile schwanger geworden und so beschlossen beide, 1866 zu heiraten. Wegen des Traurings aus Rheingold hieß Peter Hook fortan „Golder”. Doch das Glück währte nur sieben Jahre, dann starb seine große Liebe mit nur 32 Jahren. Fünf Jahre zuvor hatte er bereits seinen ältesten Sohn mit nicht einmal 20 Jahren verloren. Trost fand er im Männergesangverein, in dem er zusammen mit den beiden Volksschullehrern Johannes Grübel und Johannes Kirsch eifrig wirkte.

Doch fast wäre ihm das „Gold seiner Kehle” versiegt, als 1874 ausgerechnet sein Namensvetter Peter Hook VI. durch eine Abspaltung einen eigenen Verein, die „Sänger-Einheit”, gründete. Im Folgejahr starb „Golder” im Alter von nicht ganz 52 Jahren. Sein Sohn Adam wurde übrigens 1914, nach dem Tod von Bürgermeister Michael Baumann, Interimsbürgermeister bis zu den regulären Wahlen. Er hatte allerdings das große Pech, dass ausgerechnet zu dieser Zeit der Erste Weltkrieg ausbrach und viele Männer eingezogen wurden. 

(Wolfgang Schneider | Mai 2001)