Ein Mensch mit Zivilcourage

Als am 16. Dezember 1961, Karl Oswald Jakob in Limburgerhof starb, nahm in der damaligen SPD-Hochburg Altrip kaum jemand Notiz davon. Dabei war Jakob einmal SPD-Hoffnungsträger in Altrip und ein Mensch mit Zivilcourage.

Der gelernte Schlosser, der in Neckarelz vorübergehend eine Maschinenfabrik betrieb, hatte 1927 übrigens die Idee, eine private Buslinie von Altrip nach Rheingönheim einzurichten, nachdem Altrip nicht an das Post-Omnibusnetz angeschlossen war.

Als Unternehmer konnte er das SPD-Urgestein Jakob Engelberger gewinnen. Obwohl sich Jakob als Selbstständiger mit dem Handel und der Reparatur von Motor- und Fahrrädern beschäftigte, fuhr er für die Engelberger „Linie”. Nach den Wahlerfolgen der Hitlerbewegung engagierte sich Jakob auch auf sozialem Sektor. So organisierte er 1931 ein Waldparkfest der Arbeiterwohlfahrt, um mit den Erlösen zum „Winterhilfswerk Altrip” beizutragen. In Altrip „sprengte” er 1931 eine Versammlung der Kommunisten im „Rheintal” und trat mutig gegenüber der Referentin Jacobshagen (Ludwigshafen) auf, die die SPD aufs Korn genommen hatte. 1933 wurde Jakob zum SPD-Ortsvereinschef gewählt. Er forcierte fortan die Jugendarbeit. Am 1. März 1933 war er an der Spitze eines Aufmarschs des „Reichsbanners” durch die Rheingemeinde, zwei Tage später ließ er von einer Revuegruppe „Der große Verrat” in einer Veranstaltung aufführen. Außerdem arbeitete er aktiv in der „Eisernen Front” mit.

Nach der Machtergreifung der Nazis gab es auch im Altriper Rathaus ein Stühlerücken. Der Rat wurde auf zehn Sitze verkleinert, wovon der SPD vier zugesprochen wurden. Jakob wurde SPD-Fraktionssprecher. Bei der Verpflichtung der neuen Ratsmitglieder im Mai 1933 blieb er mit seinen Genossen beim „Sieg Heil” auf Reichskanzler Adolf Hitler demonstrativ sitzen. „Eine Taktlosigkeit, wie sie übler nicht bezeichnet werden kann”, schrieb der Protokollant. Jakob stellte „unter diesen Verhältnissen” die Mandate aller vier SPD-Räte zur Verfügung. Er wurde in Schutzhaft genommen und ins Amtsgerichtsgefängnis Ludwigshafen eingeliefert. Danach wurde er aus Altrip regelrecht weggeekelt.

Obwohl seine Vorfahren schon seit Ende des Dreißigjährigen Kriegs hier ansässig waren, zog er 1936 schweren Herzens mit Frau Susanne nach Limburgerhof. Dort richtete er eine Großtankstelle nebst Werkstatt ein. In Altrip unterhielt er nur noch eine Zweigstelle für Zweiräder. Nach dem Krieg verhalf er in Limburgerhof vielen Kriegerwitwen zu einer Rente und gehörte zu den VdK-Begründern. Die Initiative zur Gründung des Gewerbevereins, heute Verein der Selbstständigen, ging ebenfalls von ihm aus. Auch kommunalpolitisch wurde Jakob aktiv. Von 1946 bis 1948 war er Bürgermeister-Stellvertreter (Adjunkt).

Nach dem Streit mit SPD-Genossen trat er zu den Wahlen 1948 mit einer „Liste der Parteilosen” an. Bei der Bürgermeisterwahl erhielt er zehn von 19 Ratsstimmen. Doch Landrat Rudolf Hammer versagte ihm die Ernennung, da das Ergebnis nicht den politischen Kräfteverhältnisse entspreche. Jakob gehörte dem Limburgerhofer Rat bis 1956 an. Seine Tochter Hilde, die mit dem Sohn des Ex-Bürgermeisters Karl Netzsch verheiratet ist, sowie deren beide Kinder, wohnen heute noch in Limburgerhof.

(Wolfgang Schneider | Dezember 2001)