Späte Ehre für Bürgermeister Adam Hook VII.

Im Jahr 1933 starb ein Mann, der in schwierigen Zeiten die Geschicke der Gemeinde Altrip als ehrenamtlicher Bürgermeister übernommen hatte – obwohl er nie hatte Bürgermeister werden wollen. Der Metzgermeister Adam Hook VII. lenkte das Geschick der Gemeinde in schweren Zeiten. Und ist heute fast vergessen.

Als im Februar 1914 der allseits beliebte Bürgermeister Michael Baumann starb, wollte weder der bisherige Adjunkt noch einer der Gemeinderäte ihn „beerben”. Nationalliberale und Sozialdemokraten bedrängten unter dem Hinweis, dass bereits sein Großvater Bürgermeister gewesen sei, den honorigen Adam Hook. Und so kam es, dass er am 14. März 1914 vom Rat gewählt wurde. „Aber nur bis zu den Neuwahlen”, bat sich der damals 56-Jährige aus.

Ein Zuckerschlecken sollte sein Ehrenamt nicht werden. Schon bald gab es Ärger wegen der vielen säumigen Stromzahler. Altrip hatte nämlich im November 1913 den elektrischen Strom eingeführt und eine „Lichtkommission” musste sich nun mit den Hausanschlüssen und Zählern und vor allem um die Außenstände kümmern. Adam Hook, der im Dorf allgemein unter dem alten Uznamen für Metzger, „Kadsuff”, bekannt war, musste sein Geschäft vernachlässigen, nachdem am 1. August 1914 der Erste Weltkrieg ausgebrochen war. Niemand dachte an einen langen Krieg, und so gab es keine Material- und Lebensmittelvorräte. Schon im ersten Kriegsmonat musste der Bürgermeister eine „Kommission zur Milderung der Notstände durch Quartierleistungen und für Familienunterstützungen” bilden. Ziel war es, Vorräten an Korn und Kartoffeln zu schaffen.

Das Grabmal des ehemaligen Bürgermeisters will die Gemeinde zur Erinnerung erhalten. Die Feuerwehr war so gut wie nicht mehr existent, nachdem alle wehrfähigen Männer eingezogen wurden. Also galt es, eine „Kriegs-Ersatz-Feuerwehr” zu bilden. Doch auch Polizeidiener, Fleischbeschauer und Gemeindesekretär ereilte der Ruf zu den Fahnen. Ständig musste der Bürgermeister zu Geld- und Sachspenden aufrufen. Trotz großer eigener Not spendeten die Altriper im Oktober 50 Zentner Obst, mehrere Zentner Kraut und Bohnen für die Lazarette in Speyer und Ludwigshafen und fuhren jede Menge Hühner, Enten, Fasanen, Hasen und Tauben hinterher. Wenige Tage später gar 100 Kuchen und fünf Zentner Latwerg.

Adam Hook übernahm die bisher verpachtete Fähre in Gemeinderegie und kämpfte gegen Schiebergeschäfte und Preiswucher. So ließ er Höchstpreise für Grundnahrungsmittel festsetzen, etwa vier Pfennige für das Pfund Kartoffel. Zum Leidwesen der Dorfbewohner musste er auch noch für mehrere Straßen Herstellungskosten abrechnen. Und natürlich „durfte” er auch noch die Gemeinderatswahl im November 1914 vorbereiten.

Doch danach konnte sich der „Kadsuff” wieder seinem eigentlichen Beruf widmen. So schuf er mit als Erster in der Vorderpfalz ein modernes Kühlhaus und half sogar der Dampfziegelei Baumann bei der Lohnzahlung mit dem nötigen Kleingeld aus, wenn diese gerade mal nicht flüssig war.

Als der Metzger am 12. Februar 1933 75-jährig an Nierensteinen starb, hatte ihn die Gemeinde bereits vergessen. Noch nicht einmal für einen Nachruf reichte es. Sein Grab ist mit einer abgebrochenen Marmorsäule das einzige Grabmal dieser Art auf dem Altriper Friedhof. Die Säule sollte symbolisieren, dass das Geschlecht am Aussterben ist. Dem Vernehmen nach will die Gemeinde, in deren Bürgermeistergalerie Adam Hook VII. bisher überhaupt nicht vorkam, das Grabmal erhalten. Eine späte Ehre.

(Wolfgang Schneider | Februar 2003)