Wo die Römer Pate standen

Von Jockgrim bis Hüffler - pfälzische Ortsnamen hinterlassen viele Fragezeichen

Da sind auch gestandene Pfälzer manchmal ratlos: Warum tragen einige Pfälzer Dörfer so untypische, fast schon „unpfälzische“ Namen wie Hayna, Jockgrim, Weyher oder Hüffler? Wo doch Friesenheim und Harthausen, Grünstadt und Weisenheim, Hainfeld und Limburgerhof oder Heßheim und Offenbach zumindest von den Begriffen her eine einfache „logische“ Deutung zulassen. Wobei allerdings auch vermeintlich eindeutige Erklärungen oft aufs Glatteis führen...

Seltsame Ortsnamen in der Pfalz oder solche, die in die Irre führen: Weyher hat nichts mit Wasser zu tun... Foto: Klaus VenusSeltsame Ortsnamen in der Pfalz oder solche, die in die Irre führen: Weyher hat nichts mit Wasser zu tun... Foto: Klaus VenusAber zum Beispiel der Frankenthaler Stadtteil Mörsch - woher hat er seinen Namen. Nun - mit dem lautmalerisch verwandten Begriff „morsch“ hat er gar nichts zu tun. Mörsch wird vom lateinischen „mariacum“ hergeleitet und bedeutet „am Wasser liegend“. Das gilt auch für Neupotz bei Germersheim: „Potz“ hieß der Ort früher, als er noch im Sumpfland (lat. „purteus“) am Rhein lag, oft überschwemmt und dann höher gelegt wurde - „Neu“-Potz war entstanden.

Der Ortsteil Lobloch von Neustadt-Gimmeldingen wurde wohl von einem „Luppo“ gegründet und lag einst an einem Teich - der hieß im Mittelalter „loch“. Auch das südpfälzische Wörth lag einst hinter einem Zaun direkt am Wasser - „werde“ hieß diese Lage im Mittelalter. Silz im Wasgau verdankt seinen Namen salzhaltigen Quellen - mittelalterlich „Sulz“, was noch ein rautenförmiger Salzkristall im Gemeindewappen zeigt. Salzhaltige Böden waren „Sultzfeld“ - so einfach ist das. Das nahe Lauterschwan heißt nicht so, was es dort „lauter Schwäne“ gibt - sein Name wird von Heimatkundlern so gedeutet: Lauter kommt von „Lut“ (Leute) - Schwan von „Schwanden“ (Holzfällen). Lauterschwan war wohl einst ein Holzfällerdorf. Nicht weit entfernt liegt Lug. Im Jahr 1146 hieß es noch „Luoch“ und das bedeutet Guckloch oder Aussicht - wer mal dort war, weiß warum. Einen „echt Pfälzer Ursprung“ hat das Dorf Knopp bei Wallhalben: Es liegt auf einer Anhöhe, die wie ein Knopf aussieht...

Weyher in der Südpfalz hat mit Wasser überhaupt nichts zu tun - sein Name kommt vom lateinischen „villa“ (Landhaus) und auch bei Altrip standen die Römer Pate: Es liegt auf einem „hohen Ufer“ (alta ripa). In Nothweiler im Wasgau entdeckten einst sieben ausgewanderte Schweizer Familien erzhaltige Heilquellen, dankten das den sieben (eigentlich sind es doppelt so viele) „Nothelfern“ und nannten ihren neuen Wohnort fortan „Noth(helfers)weiler“. Sieben Gottheiten, auf einem römischen Stein gefunden, oder ein fränkischer Einwanderer Godemer haben dem Landauer Stadtteil Godramstein den Namen gegeben.

Die Westpfalz-Gemeinden Gries („griß“ = kiesiger, sandiger Boden), Eulenbis (einst „Eulengebeiß“), weil in Steinabrissen („bis“) Eulen lebten, Konken (von lat. Conca = Muschel), weil das Dorf in einem muschelförmigen Tal liegt, oder Hüffler („Hufe“ = Bauernhof) haben ihren Namen überwiegend Grund und Boden zu verdanken. Medard hieß einst „curia St. Medardus“ (Gemeinde des Heiligen). Die früher riesigen Wälder rundum haben Forst (mittelalterlich „vorst“) den Namen geben und Rhodt steht an einer Stelle, die erst „gerodet“ werden musste.

Hrocchesheim (Roxheim), Jochenheim (Jockgrim), Zezzincheim (Zeiskam), Mundosheim (Mundenheim) oder Crotincheim (Grethen) tragen die modernisierten oder verballhornten Namen der einstigen Hofgründer - bei Eynet (Einöllen) oder Hegnehe (Hayna) braucht man schon ein bißchen Fantasie... Wieviel einfacher sind andere Ortsnamen zu begreifen wie Mückenwiese, Harzofen, Kalkofen, Linden oder Erzgrube - sie erklären sich von selbst.

(Quelle: www.buerstaedter-zeitung.de / 16.08.2011 / Rolf Sperber)