Weltchronik vorgelegt

Der Prümer Abt Regino (840 bis 915), der als Sohn einer vornehmen fränkischen Adelsfamilie in Altrip geboren wurde, hat im Jahr 908 die erste auf deutschem Boden verfasste Weltchronik seinem Bischof Adalbero in Trier vorgelegt. 

An Regino erinnert in Altrip neben der Veranstaltungsstätte Reginozentrum ein Denkmal vor der Protestantischen Kirche, die Reginostraße sowie der „Regino-Kindergarten”. Im Rathaus ist seit 2005 eine 1521 in Mainz gedruckte Ausgabe der Chronik des Regino in einem Schaukasten ausgestellt.

Regino schien es unwürdig, dass zwar die Hebräer, Griechen, Römer und andere Völker die Ereignisse ihrer Zeit der Nachwelt schriftlich überlieferten, doch über die Zeiten unserer Vorfahren aus eigener Feder nichts zu finden sei. Deshalb, so schreibt er in seinem Vorwort zur Chronik, „war ich darauf bedacht, aus der Vielfalt einiges Wenige aufzuzeichnen”.

Obwohl seit 325 das Christentum im Römischen Reich von Tanger bis Jerusalem Staatsreligion war, gab es noch keine einheitliche Jahresfolge, sondern es wurden zumeist Regierungsjahre der Kaiser, die Märtyrer-Ära Diokletians, die Zeit der Gründung Roms oder gar die Zeit „seit Erschaffung der Welt” angeführt. Die heutige Anno-Domini-Zeitrechnung wurde häufig Dionysius Exiguus (gestorben 556) zugeschrieben.

Doch erst der Mönch Regino war es, der als erster in seiner Weltchronik konsequent von Christi Geburt bis 906 durchgängig die Ereignisse fortlaufend mit „Im Jahr der Fleischwerdung des Herrn” beschrieb. Seine Chronik beginnt mit: „Im 42. Jahr der Herrschaft des Kaisers Octavian ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, geboren worden.” Folgerichtig hat Regino seinen ersten Teil mit dem Titel: „Über die Zeiten der göttlichen Menschwerdung” überschrieben.

Im zweiten Band „Über die Taten der Frankenkönige (741 bis 906) konnte er zum Teil auch aus eigener Kenntnis berichten. So etwa über den wiederholten Überfall des Klosters Prüm durch die Normannen. Insoweit erscheint es nicht ganz so merkwürdig, dass er als geistlicher Geschichtsschreiber der Darstellung kriegerischer Adelstugend so viel Raum gewährte. In jenen Zeiten hatten Bischöfe und Äbte regelmäßig auch politische und militärische Funktionen und insoweit ist erklärbar, dass er ihre Taten oftmals mehr nach ihren adlig-kriegerischen Maßstäben als nach denen ihres geistlichen Standes beurteilte.

Als etwa Bischof Wala von Metz im Kampf gegen die Normannen fiel, so vergaß Regino geflissentlich das Verbot des Waffentragens für Kleriker, das er selbst an anderer Stelle einschärfte. Regino beschrieb sehr ausführlich die Normannenkönige Godefrid und Sigifrid, die mordend und plündernd 882 Trier eroberten. Obwohl beide sehr üble Gestalten waren, ging der Kaiser auf ein listiges Angebot von Godefrid ein. Der bot nämlich an, Christ zu werden, sofern er des Kaisers Tochter Gisla zur Frau bekäme und ihm Friesland abgetreten würde. Der Kaiser sagte zu und hob ihn persönlich „aus dem heiligen Quell”, taufte ihn also. Sigifrid und die übrigen Normannen erhielten zudem eine unermessliche Menge Gold und Silber. Doch schon zwei Jahre später forderten die Normannen 12.000 Pfund Silber, um Frieden zu halten. Nachdem sie auch diese ungeheure Summe erhalten hatten, bestiegen sie ihre Schiffe und fuhren zu ihren Seegestaden zurück. Als die Normannen jedoch vom Ableben von König Karlmann erfuhren, der bei der Jagd von einem Eber tödlich verletzt wurde, forderten sie nochmals 12.000 Pfund Silber, da sie sich nur gegenüber dem verstorbenen König gebunden fühlten.

Trotzdem versuchte ein Widersacher des Kaisers, ausgerechnet mit dem Mordgesindel von Normannenkönig Godefrid, die Macht zu ergreifen. Die Intrige kam jedoch heraus und dem Verschwörer wurden auf Befehl des Kaisers die Augen ausgestochen. Später hat Regino den Blinden im Kloster Prüm persönlich zum „Mönch geschoren”

(Wolfgang Schneidee | 2008)