Schicksalsjahre am Strom

In der Geschichte gab es viele Pläne, was mit Altrip passieren soll. Eine Einverleibung in Neuhofener Gemarkung war ebenso unmöglich wie eine Umsiedlung über den Rhein. Heute beträgt die Altriper Gemarkung ca. 1050 Hektar.

Der Feldmesser Gemeinhard hatte um 1740 im Auftrag des Domstifts Speyer die Gemarkung von Neuhofen zu vermessen und erfuhr dabei von dem Altriper Spruch: „1509 brach das Seckenheimer Ried entzwei und gabs einen neuen Rhein.” Dies war seiner Meinung nach das „Geburtsjahr” des Neuhofener Altrheins, der heute zu Altrip gehört. In Altrip soll auch zur Erinnerung daran an einem Hauseckpfosten die Jahreszahl 1509 gestanden haben.

Befragungen des Altriper Gerichts im Jahre 1706 führten zu keiner genauen Klärung, denn „Briefschaften” gab es keine mehr und selbst die mündlichen Überlieferungen litten durch den Dreißigjährigen Krieg. Es gab auch den Reim: „1608 da war der Rhein ein Bach, 1609 da brach durchs Seckenheimer Ried der Rhein und gabs einen neuen Rhein.”

Doch weder 1509 noch 1609 war wohl das Schicksalsjahr für Altrip. Die holde Herrschaft unternahm einst „Rheinbefahrungen”, um festzustellen, welche „neuen Anlagen” der Rhein für sie angeschwemmt hatte. Das vom Rhein weggerissene Land war für die Besitzer verloren; einen Ausgleich gab es nicht. Bei den Rheinbefahrungen wurde 1580 der alte und 1590 der neue Lauf protokolliert. Der Heidelberger Professor David Pareus sah 1584 einen Dammdurchbruch an der gefährdeten Stelle und maß ihn mit 200 Schritten ab. In den Folgejahren bis 1590 gab es in vier Jahren Hochwasserereignisse, die wohl den neuen Stromlauf ausformten.

Für Altrip war die Situation nun katastrophal, denn der Rhein riss gut die Hälfte seiner Gemarkung weg. Bei der Vermessung der Altriper Güter 1746 wurden gerade noch 557 Morgen gezählt. Und weit schlimmere Hochwasser folgten. 1778 stand nicht nur die mittlerweile nur noch 50 Morgen große Gemarkung total unter Wasser, sondern viele Hauswände wurden eingedrückt, alle Vorräte vom Wasser fortgerissen und alle Fische aus dem Tümpeln hinweggespült. Der Altriper Schultheiß Barthel Schweikert richtete daher an den Kurfürsten die „untertänigste fußfälligste Bitte” über ein so genanntes „Collecten Patent” die Erlaubnis zum Sammeln einer „Beisteuer” zu erlangen.

Es gab Pläne, den Ort komplett aufzugeben. Eine Einverleibung nach Neuhofen war jedoch nicht realisierbar, da dort nicht genügend Güter zur Verfügung standen. Eine Umsiedlung „über den Rhein” auf den so genannten Sandbuckel unter Zugabe des Rohrhofes und des Vorderen Seckenheimer Rieds war zu kostspielig. Somit blieb nur die Ertüchtigung des „Altdeichel” um das Altriper Feld. Doch das Land vor der Tür der Altriper gehörte Neuhofen. Diese Gewannen hatten keinen direkten Zusammenhang mit der übrigen Neuhofener Gemarkung, da die Rheingönheimer Wiesen dazwischen lagen.

Erst 1787 kam durch einen Vergleich der Blashorst zu Altrip. Der Rheindurchbruch in den Jahren 1584 bis 1590 durch den „Schlingenhals” der Seckenheimer Halbinsel führte zu einem 200-jährigen Grenzstreit zwischen Seckenheim und Altrip, der handgreiflich ausgefochten wurde. Späte Genugtuung: Frankreich sorgte 1798 dafür, dass Altrip der Seckenheimer Schleim mit der heutigen „Blauen Adria” und der Sandrennbahn zugeschlagen wurde. 

(W. Schneider | 2009)