Von Weißbinder bis Schwarzbrenner

Im heute so bunt schillernden und nicht selten auch unverständlich gewordenen Mosaikbild der Berufsnomenklatur stellen die alten Berufe eine höchst interessante Gruppe dar. In Altrip gab es beispielsweise Berufstätigkeiten, die etliche Nuancen auf der Farbskala aufwiesen.

Gemeint ist hier nicht etwa nur der Goldwäscher, der hier bereits 1675 erstmals erwähnt wurde, sondern der Weißbinder, ein typischer Stubenmaler, der sich zu Anfang des 20. Jahrhunderts auch Tüncher nannte. Unter den Korbmachern im Ort gab es die Weißkorbmacher, die weiße, nämlich geschälte Weidenruten verarbeiteten, im Gegensatz zu den Grünkorbmachern, die grüne (ungeschälte) Weiden nahmen. Bisweilen wurde der Grünkorbmacher auch Graukorbmacher genannt und hatte den Uznamen Groh.

Ein Blaufärber hatte sich nach dem letzten Krieg zum Ziel gesetzt, ehemals weiße, aber mittlerweile abgeschossene, cremig gewordene Stoffe zu färben, wobei Blau seine beste Deckfarbe war. Durch die Zuzüge von Flüchtlingen und Vertriebenen kamen auch Gelbgießer, die als Metallgießer sich vor allem in der Verarbeitung von Messing auskannten und in Mannheim in der Maschinen- und Apparatebauindustrie unterkamen. Rotgießer hingegen waren auf den Guss von Bronze spezialisiert.

Gutes Geld verdienten in Altrip die Anthrazitarbeiter, nämlich jene Kohlearbeiter, die im Rheinauer Hafen in den Anthrazit-Brikettwerken arbeiteten. In Rheinau gab es jede Menge Arbeit, denn bis 1914 war hier Endpunkt der ganzjährigen Großschifffahrt auf dem Oberrhein, und von hier aus wurde ganz Süddeutschland mit Kohlen versorgt.

Der Ausbau des Straßennetzes brachte in den 50er Jahren den Schwarzstraßenreiber als Baufachwerker mit sich. Er hatte den Asphalt mit Zangen abzureiben und musste besonders auf die Arbeitsnähte sowie Dichtungsanschlüsse am Einbau achten. Mit einer Riffelwalze rauhte er die Straßendecke auf und drückte den Splitt ein. Keine gerade angenehme Arbeit.

Selbstverständlich gab es auch Schwarzfischer und Schwarzbrenner, die zuweilen gar noch ihren Stoff, die Zwetschgen, bei der Gemeinde ersteigerten. Im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es in Altrip so manchen Wilderer, der von den bayerischen Gendarmen als „Schwarzer” bezeichnet wurde. Viele dieser Berufe gibt es heute nicht mehr; geblieben ist nur der Schwarzarbeiter, der in Altrip und andernorts, neben- oder gar hauptberuflich, „schwarz” arbeitet.

(Wolfgang Schneider | Juni 2001)