Reginos „De harmonia institutione“

Kriege und Ränkespiele prägten das Leben von Regino, des aus Altrip stammenden Abts der einst so mächtigen Benediktinerabtei Prüm in der Eifel. Nach der zweiten Brandschatzung des Klosters innerhalb von zehn Jahren durch die Normannen (892), zeigte sich der amtierende Abt amtsmüde. So wurde der mit etwa 50 Jahren relativ junge Regino zum Abt gewählt. Ihm gelang es, die große, schöne Basilika mit drei Schiffen wieder herzustellen und auszuschmücken, ebenso die ausgebrannten Mönchszellen und Wirtschaftsgüter.

Die gelockerte Kirchenzucht, die vernachlässigten Gottesdienste und Unterrichte ordnete er in vorbildlicher Weise. Obwohl es ihm an gutem Vorbild, Klugheit und Tatkraft in keinster Weise fehlte, legte er nach sieben Jahren seine Abtswürde ab, da er das Ränkespiel eines Fraters, der von seinen politisch einflussreichen adligen Brüdern angestiftet wurde, nicht weiter ertrug. Doch Erzbischof Ratbod von Trier hielt fest zu ihm und übertrug ihm, ebenfalls als Abt, den Aufbau des von den Normannen zerstörten Klosters Sankt Martin in Trier. Schon kurze Zeit später begann er in St. Maximin seine schriftstellerische Laufbahn.

So entstand im Jahre 902  mit „De harmonia institutione” eine Arbeit über den Kirchengesang. Mit diesem Werk wollte er dem unmelodischen und fehlerhaften Gesang in den Chören des Trierer Sprengels abhelfen. Anlass hierzu war, wie er selbst vermerkt, dass sich der Erzbischof, den er auf seinen Visitationsreisen begleitete, nur allzu oft über den schlechten Chorgesang erzürnte. Zur weiteren Erleichterung der Kirchenvisiten schrieb er schon vier Jahre später ein umfangreiches Handbuch zur Feststellung von kirchlichen, religiösen und sittlichen Zuständen von Amtspersonen und Laien.

Dem Vergessensein entrissen wurde er erst mit seinem „Chronicon”, einer zweibändigen Weltgeschichte, die er 908 fertig stellte. Darin schildert er besonders eindrucksvoll die Zeit um seine eigene Geburt, als die Söhne Kaiser Ludwig des Frommen mit ihrem Vater und unter sich blutige Kämpfe führten und dadurch die Kräfte der sonst so tapferen Franken so sehr schwächten, dass sie in der Folgezeit noch nicht einmal mehr die Reichsgrenzen schützen konnten.

Trotz aller Widrigkeiten und Belastungen war Regino ein für die damalige Zeit beachtliches Alter von etwa 75 Jahren beschieden. Als er 915 starb, wurde er mit allen Segnungen in Sankt Maximin vor den Toren Triers beigesetzt und auf seinem Grabstein „ossa fessa”, von „müden Gebeinen” vermerkt.

(W. Schneider | 2002)