Einweihung des Altriper Wahrzeichens

Was für die Pariser der Eiffelturm, das ist für die Altriper ihr Wasserturm. Das Wahrzeichen der Moderne im alten Römerdorf „Alta Ripa” ist am 27. August 1927 eingeweiht worden. Der Turm ist das höchste Gebäude im Ort - die Höhenangaben schwankten jedoch lange.

Das 2700 Seelen zählende Dörfchen war in jener Zeit ohnehin in Feierlaune: Die Feuerwehr feierte drei Tage lang im Waldpark ihr 50. Stiftungsfest, der Männergesangverein ebenfalls im Park eine Woche sein 60. Jubiläum und nochmals eine Woche darauf der Arbeitersängerbund sein 25-jähriges Bestehen. So gab es jede Menge Festumzüge und Feuerwerke.

Der Wasserturm, das Wahrzeichens von AltripWas das Altriper Wahrzeichen betrifft, so zelebrierte der ehrenamtliche Bürgermeister Adam Jacob regelrecht die einzelnen Etappen der Einweihung. So ließ er in Begleitung der Feuerwehr und unter reger Beteiligung der Bevölkerung die Wasserturmglocken schon außerhalb des Ortes in Empfang nehmen und feierlich zum Turm geleiten. Die vom Turmuhrbauer Porth in Speyer gelieferten Glocken wiegen sieben Zentner - und es dauerte mehrere Stunden, bis der Tross den Glockenturm erreicht hatte. Am Tag darauf wurde am Fuß des Wasserwerks noch ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs enthüllt, das 1966 in das heutige Ehrenmal auf dem Friedhof integriert wurde.

In einer Sondersitzung des Gemeinderates am 13. Juli 1927 unterzeichneten alle Ratsmitglieder eine Urkunde, die den Werdegang des Projektes beschrieb. Der Bürgermeister ließ das Dokument anderntags in die Wasserturmkuppel einlöten. Den Plan, im Turm auch zwei Wohnungen einzurichten, ließ der Gemeinderat allerdings fallen. Ein Glück, denn der Heimat- und Geschichtsverein Altrip nutzt die Freiflächen im Wasserturm als Lager für seine Exponate.

Wenngleich seit 1927 feststeht, dass der Wasserturm Altrips höchstes Gebäude ist, so gab es bis zuletzt immer wieder unterschiedliche Höhenangaben, die zwischen 26 bis 41 Metern schwankten. Demgegenüber wurden die Turmhöhen der beiden Kirchen mit 20 Metern für den romanischen Kirchturm der protestantischen Kirche und 22 Metern für den Kirchturm der Katholiken stets richtig angegeben. Inzwischen steht fest: Der Wasserturm bringt es auf 38,75 Meter, hat drei Etagen, einen Wasserspeicher mit 150 Kubikmetern in 25 Metern Höhe und eine Turmuhr mit Zifferblättern für alle Himmelsrichtungen von je vier Metern Durchmesser.

Der einst silbergraue Turm an der Straßengabelung nach Waldsee und Rheingönheim wurde in nur wenigen Monaten errichtet. Der erste Spatenstich fand am 7. November 1926 und damit zwei Monate vor dem behördlichen Segen des Bezirksamtes Ludwigshafen statt. Das in 350 Metern Entfernung errichtete Pumpwasserwerk verdankt seine Lage dem ehemaligen Oberstleutnant Heinemann aus Homburg von der Höhe, der 1925 mit einer Wünschelrute eine „ordentliche Wasserader” ortete. Und in der Tat: „Reichliches, gutes und gesundheitlich einwandfreies Trinkwasser” wurde von den Behörden bestätigt.

Das Wasserwerk wurde mit einem Vorpumpwerk, einer Enteisungsanlage und einem Hauptpumpwerk ausgestattet. Aus dem Bohrbrunnen förderte eine Elektropumpe das Wasser zu einer Filteranlage. Trotz der „guten” Wasserqualität musste der Überschuss an freier Kohlensäure sowie an Eisen und Mangan entfernt werden. Das behandelte Wasser wurde in einem 100 Kubikmeter fassenden Behälter gesammelt und über eine Elektropumpe in das Wasserleitungsnetz eingespeist.

Das Wasser konnte nur bis auf eine Höhe von 28 Meter gepumpt werden. Als es einmal durch eine „bengalische Kerwebeleuchtung” auf der Wasserturmspitze in über 38 Metern zu einem Brand kam, konnte die Altriper Wehr daher das Feuer nicht selbst löschen und musste die Ludwigshafener Berufsfeuerwehr bemühen.

Das Wasserleitungsnetz wurde bereits in den Jahren 1925 und 1926 verlegt, und rechtzeitig vor der Einweihung wählte der Gemeinderat unter zehn Bewerbern Adolf Kretzer als ersten Wasserwerksmeister. Seine Nachfolger wurden zunächst sein Sohn Philipp und schließlich sein Enkel Manfred.

Der heutige Bürgermeister, Jürgen Jacob, hatte 1982 ein ganz besonderes „Wasserturmerlebnis”: Als Angehöriger der Freiwilligen Feuerwehr absolvierte er die praktische Prüfung der Kreisausbildung mit Atemschutzgerät dadurch, dass er die 90 Stufen des Wasserturms siebenmal rauf und runter lief. Und das mit Helm, Maske und rund 20 Kilogramm Ausrüstung.

(Wolfgang Schneider | 2007)