Von der Hausmesse zur Leistungsgemeinschaft Altrip

Der Altriper Sattlermeister Karl Lemmert stellte 1928 eine Ausstellung aller Leder verarbeitenden Berufe zusammen. Zu finden war da der Beutler, der Lederbeutel herstellte, der Nestler, der nur Beutel aus Lederstreifen konfektionieren durfte, der Täschner, der seine Waren auch mit Metallringen versah, und natürlich auch der Kummetmacher. Als besondere Attraktion wurden zwei Kummets für Ziegen gezeigt. Neben Locheisen und Reifenhölzer wurden das Sattlerross und die Sattlerzange gezeigt. Damit wurden die Werkstücke so eingeklemmt, dass ein beidhändiges Nähen möglich war.

„Sattler Lemmert”, wie er allgemein im Ort hieß, stellte auch heraus, dass schon im Sattlerbundesbrief aus dem Jahre 1439 Gütevorschriften für das Gewerbe aufgestellt wurden, die von Meistern der Umgebung unterschrieben wurden. Neben eigens angefertigten Lederwaren bot der Sattler auch industriell hergestellte Waren an. Was damals bei Karl Lemmert stattfand, würde heute zutreffend als erfolgreiche „Hausmesse” bezeichnet.

Die Ausstellung hatte jedenfalls so viel Anklang gefunden, dass der mutige Sattler schon kurz darauf, ebenfalls 1928, den „Gewerbeverein Altrip” ins Leben rief und den Vorsitz übernahm. Zu Ostern 1930 organisierte er in allen Schulsälen und im Hof der Maxschule eine Gewerbeschau, an der sich über 30 Altriper Aussteller beteiligten und zu der auch der Vorstand des Bezirksamts Ludwigshafen kam. Lemmert produzierte auch Schoner-Decken, die viele Polstereibetriebe der Umgebung weiterverkauften.

Im „Dritten Reich” ging der Gewerbeverein Altrip im „Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand” auf und Lemmert vertrieb auch Verdunklungsrollos für die vorgeschriebenen Luftschutzmaßnahmen der Zivilbevölkerung. Nach dem Krieg gründete der Sattler „seinen” Verein erneut und mit ihm „starb” auch der Verein.

Nach längerer Pause war dann wiederum eine erfolgreiche Ausstellung Anlass zu einem Zusammenschluss von Altriper Gewerbetreibenden. Die 17 Aussteller wurden im Dezember 1976 zugleich Gründungsmitglieder der heutigen „Leistungsgemeinschaft Altrip”.

(Wolfgang Schneider | 2003)