Verhandlungen über Naherholungsgebiet

Im Jahr 1958 verhandelte der Altriper Ziegeleibesitzer Karl Baumann mit der Kreisverwaltung und der Stadt Ludwigshafen über die Zukunft der Naherholungsidylle „Blaue Adria”. Teilweise wurden an einem Tag bis zu 25.000 Besucher gezählt. 

Von Heraklit stammt das Zitat: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge...” So war es auch mit der „Blauen Adria” bei Altrip. Mit zunehmender Bedeutung des Betonbaus entstand zwar schon zwischen 1920 und 1930 als erster Baggersee in der Gemarkung der Karpfenweiher, doch die geförderte Kiesmenge blieb mit 200.000 Kubikmetern eher bescheiden. Erst der große Kiesbedarf für den Westwall- und Bunkerbau in den 1930er Jahren sowie die umfangreichen Baggerungen nach dem Zweiten Weltkrieg für den Wiederaufbau „modellierten” die heutige Erholungslandschaft.

Der Altriper Ziegeleibesitzer und Kommunalpolitiker Karl Baumann sah mit Beginn des „Wirtschaftswunders” mit zunehmendem Unbehagen die Naherholungsidylle so mancher lufthungriger Stadtbewohner, die sich im Bereich der Baggerseen auf Parzellen, die oftmals nicht viel größer als ein Perserteppich waren tummelten. Nach zweijährigen „Geheimverhandlungen” mit der Kreisverwaltung und der Stadt Ludwigshafen, in denen Baumann Gewässer- und Uferflächen zum Kauf anbot, um fünf vor zwölf die restlichen Flächen der Allgemeinheit zugänglich zu machen, trug sein Plan Früchte. Der weitere Ausverkauf der Landschaft konnte gestoppt werden.

Mehr noch: Erstmals kam es zu einer Zusammenarbeit mehrerer Land- und Stadtkreise, und dem dafür 1965 gegründeten Verein „Erholungsgebiet in den Rheinauen” wurde zehn Jahre später die volle Planung und Realisierung des Ausbaus des Naherholungsgebietes übertragen.

Doch bis es so weit war, gab es sehr viel „Wildwuchs”. Ausrangierte Eisenbahnwagen, Autobusse und primitive Barackenbauten, „verziert” mit Maschenzaun oder Schilfmatten drängten förmlich nach einer ordnenden Hand. Und auch „wildes Campen” war an der Tagesordnung. Anfang Juli 1967 drohte der „Blauen Adria” der bakteriologische Kollaps. „Weiter dem Süden zu!”, hieß die Parole der sonnenhungrigen und badefreudigen motorisierten Großstädter. Landrat Dr. Hermann Scherer: „Ich wollt”, die Einsicht der Städter würde eine Überfüllung der Adria verhindern - oder ein ordentliches Gewitter!”

Im Juni 1967 wurden an zwei Wochenenden hintereinander an jeweils einem Tag 25.000 Besucher und 6000 Kraftfahrzeuge gezählt. Mit einem geschickten Schachzug wurde das Adriagebiet unter Landschaftsschutz gestellt. Nun konnte das große „Reinemachen” beginnen. Gigantische Pläne wurden entworfen. Im Januar 1966 wurde die Planung für ein rund 64 Quadratkilometer großes „Erholungsgebiet in den Rheinauen” der staunenden Öffentlichkeit vorgestellt. Innerhalb von 20 Jahren sollte eine Erholungslandschaft zwischen den Städten Mannheim und Ludwigshafen und Speyer für Wanderer, Camper und Schwimmer entstehen, die täglich bis zu 200.000 Menschen dienen sollte. Parkplätze für 36.000 Fahrzeuge und Campingplätze für 6000 Camper waren ebenso vorgesehen wie 200 Toiletten auf 136 Hektar Wiesengelände. Den spektakulären Plan hatte Diplomarchitekt Karl Josef Nick vom Wasserwirtschaftsamt Neustadt entworfen. Die „Kommunale Arbeitsgemeinschaft Rhein-Neckar” mit ihrem Vorsitzenden, dem Speyerer Oberbürgermeister Paulus Skopp, sowie dem Hauptgeschäftsführer Kurt Becker-Marx, dem früheren Landrat des Kreises Ludwigshafen, präsentierte die Planungen.

Mittlerweile ist die „Blaue Adria” durch andere Naherholungsgebiete entlastet. Die beiden öffentlichen Badegebiete werden zudem während der Freibadesaison an Wochenenden von der DLRG überwacht. Im Gegensatz zum Karpfen- und Schwanenweiher sind auch Teilstrecken des Jägerweihers allgemein zugänglich. Ein Kurzzeit-Campingplatz an der Adriastraße mit 25.000 Quadratmetern bietet Plätze mit 100 bis 150 Quadratmetern und hat direkten Zugang zum Wasser. Auch 25 Wohnwagen- und Wohnmobil-Stellplätze, teilweise mit Stromanschluss, sind vorhanden.

(Wolfgang Schneider - 2008)