Wunsch nach einem eigenen Rheinüberweg

Den Wunsch nach einer Rheinbrücke bei Altrip hegen heutzutage nur noch relativ wenig Altriper. Auch alle Ratsfraktionen samt Verwaltung sehen keinerlei Bedarf mehr. Doch im Jahr 1963 war die Interessenslage gerade umgekehrt.

Die Altriper Sozialdemokraten ließen gar 1963 klammheimlich ihren Wahlslogan „Stadt und Land Hand-in-Hand” fallen, nachdem es in der Rheinbrückenfrage erhebliche Turbulenzen gab. Während die Altriper SPD, wie alle anderen Ratsfraktionen und der WG-Bürgermeister Emil Lebherz, für die Südbrücke bei Altrip plädierten, war just der Ludwigshafener Oberbürgermeister Werner Ludwig dagegen, da er zunächst die sogenannte Nordbrücke favorisierte.

Und der Speyerer SPD-Oberbürgermeister wollte natürlich auch erst „seine” Brücke bei Otterstadt. Lediglich Landrat Kurt Becker-Marx (SPD) stand von den „Roten” hinter den Altriper Wünschen. Es ärgerte die Altriper Sozialdemokraten schon sehr, dass ausgerechnet der Ludwigshafener CDU-Bundestagsabgeordnete Gerhard Fritz für die Altriper die Fahne hoch hielt.

Hinzu kam, dass auch der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Helmut Kohl, für die Rheinquerung bei Altrip mit einer Bundesstraße war. Die Kosten des Projekts wurden damals mit satten 100 Millionen Mark veranschlagt, zumal auf Mannheimer Seite ein Hochstraßensystem vorgesehen war.

1966 schöpften die Altriper für ihre Brücke große Hoffnungen, denn 80 Meter vom Rheinufer entfernt prüfte ein Wasserbohrer bis 60 Meter unterhalb der Flusssohle das Terrain, an der eines Tages der einzige Pfeiler der exzentrischen Südbrücke stehen sollte. Im 3. Vierjahresplan des Bundesverkehrsministers, der 1967 begann, wurde bis 1970 tatsächlich die Fertigstellung der Brücken von Maximiliansau, Germersheim, Otterstadt, Ludwigshafen-Nord und Altrip festgeschrieben. Ebenfalls 1967 wurde die Brückentrasse „planfestgestellt”.

Doch das Jahr 1970 verging und 1972, kurz nach der Einweihung der Kurt-Schumacher-Brücke, kam der Ludwigshafener SPD-Bundestagsabgeordnete Hans Bardens nach Altrip, um mit Bürgermeister Michael Marx wieder den Schulterschluss zwischen „Stadt und Land” herbeizuführen. Beide waren sich einig, dass nur die neue B 38 mit der Südbrücke die Altriper aus ihrer Insellage befreien könnten. Doch die Steuereinnahmen sprudelten nicht mehr so wie früher, und so wurde der Bau der Brücke immer wieder verschoben. Da nützte es auch nicht viel, dass im April 1978 der Mannheimer Oberbürgermeister Ludwig Ratzel und die baden-württembergische SPD-Landtagsfraktion mit Walter Krause an der Spitze für die Altriper Interessen eintraten.

Im Jahr 1979 gab es wiederum höchst interessante „Koalitionen” in der Brückenfrage. Sowohl Landrat Paul Schädler von der CDU als auch sein Gegenspieler Karlheinz Weyrich von der SPD traten zusammen mit der Industrie und Handelskammer in Mannheim und nun auch Ludwigshafens Oberbürgermeister für die neue B 38 ein, während eine Bürgeraktion „Rettet den grünen Süden” gegen das Projekt Sturm lief.

Die Junge Union in Ludwigshafen unterstützte die Ideen der Bürgeraktion. Die Altriper Grünen waren als erste lokale Gruppierung strikt gegen die Brücke und kommunalpolitisch engagierte Privatpersonen sammelten eifrig Unterschriften für die Ludwigshafener Bürgeraktion.

Nach einer Bürgerumfrage stellten sich ab 1985, nach und nach, auch die anderen Rathausfraktionen um. In Respektierung der „Volksmeinung” und in Anbetracht des gestiegenen Stellenwertes von Umwelt- und Naturschutz ist der Altriper Gemeinderat mittlerweile unisono gegen die einst so sehr ersehnte Brücke.