Walter Hook setzte Maßstäbe

Nachdem ihm die Bauplanung für zwölf Heimstätten übertragen wurde, unterbrach er flugs sein Studium und konferierte mehrmals mit ministeriellen Stellen in Mainz, um Geldmittel nach Altrip zu holen. Nach dem Windhundprinzip erhielt Altrip denn dann auch die meisten Gelder, die für die Pfalz vorgesehen waren und somit entstand hier die erste Spätheimkehrer-Siedlung.

Hook schaffte es bei den Rohbaukosten unter 6.000 Mark (sechstausend!) zu bleiben. Mehr noch: Sein Vater, damals der letzte ehrenamtliche Bürgermeister der Rheingemeinde, setzte gar ein sozialpolitisches Signal mit einem Erbbauzins von nur drei Pfennig je Quadratmeter und Jahr. Walter Hook erinnert sich: „Die Siedler, alle zwischen 30 und 42 Jahren, legten selbst Hand an, egal ob Melker, Chemiearbeiter, Bürogehilfe, Werkzeugmacher oder Drahtzieher.“

Von seinem Vater, Philipp Hermann, der im Landratsamt Ludwigshafen im Bauamt saß und für viele Altriper „Plänle“ fertigte, hat er nicht nur die Liebe zum Planen geerbt, sondern auch das Interesse an Politik. Schon mit 19 Jahren war er 1948 in Wahlversammlungen und ergriff auch für die Sozialdemokraten das Wort. „Damals ging es in den vollen Sälen hoch her und die Redner waren in ihren Aussagen nicht gerade zimperlich“, weiß er zu berichten.

Als 30Jähriger führte er 1959 den SPD-Ortsverein an und fuhr bei der Landtagswahl ein Rekordergebnis mit 71,5 Prozent ein. Bei den Kommunalwahlen 1960 kandidierte er erst auf Platz 12, doch sein Wahlkampf, in dem er auch einen Straßenausbau ankündigte, führte zu 12 von 19 Sitzen und Hook war „drin“.

Damals war Altrip als „Moor- und Schlammbad“ bekannt. Nur die Hauptstraßen waren asphaltiert. Walter Hook errang 1960 auch ein Kreistagsmandat und gehörte zum Freundeskreis des Bürgermeisters von Limburgerhof, Dr. Hermann Scherer. Damit dieser Landrat werden konnte, fuhr er zusammen mit anderen Parteivertretern mit der Forderung ins Mainzer Innenministerium: „Der soll´s werden!“ Und so kam es auch.

Scherer wiederum revanchierte sich und „machte“ Walter Hook zum Fraktionsführer der SPD im Kreistag. In Altrip konzipierte Hook 1960/61 ein Baugebiet mit 122 Häusern, ausschließlich für Altriper und mit einem sehr geringen Erbbauzins. Anstelle einer alten Mietskaserne in Rathausnähe baute er der Kreissparkasse ein repräsentatives Gebäude und avancierte zum Berater der beiden Großgrundbesitzer A. Marx, Erben und M. Baumann, Erben.

In den Kreisgremien gab es lebhafte Diskussionen darüber, ob der Kreis in Eigenregie an der so genannten „Blauen Adria“ ein Gästehaus errichten solle. Diese Idee fand Walter Hook absurd und gewann in dem Bäckermeister Werner Darstein aus Altrip einen mutigen Investor.

Hook übernahm die Planung für das Objekt in einem völlig unerschlossenen Gelände, weitab vom Dorf. „So musste auch ein 36 Meter tiefer Brunnen mit Enteisungsanlage die fehlende Wasserleitung ersetzen“, erinnert sich Hook. Im Juli 1965 war aber Landrat Scherer, von Hause aus Hydrologe und ein fanatischer Landschaftsschützer, bei der Hoteleröffnung voll des Lobes und fand das Strandhotel als große Bereicherung und Mittelpunkt für das Naherholungsgebiet.

Hook war übrigens mit der Schwester des Hoteliers, also einer Bäckerstochter, verheiratet. Gern erinnert er sich an eine Episode, die sich vor etlichen Jahrzehnten zutrug. In Rheingönheim stand an der Bushaltestelle der Gemeindeprüfer Alfons Romeis, der in Altrip in der Einnehmerei nach dem Rechten sehen wollte. Walter Hook nahm ihn in seinem Privatwagen mit nach Altrip und der wackere Prüfer plauderte munter los: „Junger Mann, heiraten Sie nie eine Bäckerstochter, denn ich hab´ eine….“ Als der Prüfer mit seiner Leidensgeschichte zu Ende war und vor dem Rathaus aus dem Auto stieg, meinte Hook verschmitzt: „Ich bin übrigens mit einer Bäckerstochter verheiratet!“ Und mit leider schon verstorbenen Ellen hat er zwei Söhne und zwei Töchter. Die Söhne haben sich in Altrip als Architekten niedergelassen, was den verwitweten Jubilar natürlich besonders freut. Und die beiden Töchter wohnen auch „gut versorgt“ außerhalb.

(W. Schneider | 2019)
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