Einmal einen eigenen Pfarrer

Die Altriper Katholiken waren nur einmal kurz selbstständig – Die Phase begann vor 50 Jahren

Über 400 Jahre hatte Altrip keine selbstständige katholische Seelsorgestelle mehr. Doch Anfang Mai 1963 war es endlich so weit: Die Altriper Katholiken wurden zur Kuratie zusammengefasst, sprich zur Vorstufe einer eigenen Pfarrei. Pfarrer war Albert Kraus.

Zuvor waren die Katholiken des Dorfs Kraft der Bulle „Dei ac Domini nostri Jesu Christi“ vom 8. September 1821 von der Pfarrei Waldsee mitbetreut worden. Ein Blick in die Kirchenbücher von Waldsee zeigt jedoch, dass darin bereits ab 1803 für Altriper Katholiken Kasualien – also Taufen, kirchliche Begräbnisse oder Trauungen – verzeichnet sind.

Das kirchliche Leben der Altriper Katholiken war von Wechseln geprägt. So waren sie zuvor auch schon nach Maudach und später Rheingönheim eingepfarrt worden. Doch diese „Mutterhäuser“ sahen selten eines ihrer Altriper Schäfchen, denn die Wege dorthin waren lang und unbequem. Also gingen sie lieber in die nahe gelegene Kirche in Neckarau. Die Pfarrei Waldsee erkannte schließlich die Not der Altriper Diasporagemeinde und hielt zu Weihnachten 1925 in der schrägen Dachgeschosswohnung des Georg Nordhofen erstmals einen Gottesdienst im Ort ab.

Ab 1925 hielten die Altriper Katholiken in einer Dachgeschosswohnung Gottesdienst (Bild oben). 1931 bekamen sie eine eigene Kirche, die im Zweiten Weltkrieg zerstört, dann aber wieder aufgebaut wurde. FOTOS: SCHNEIDERAb 1925 hielten die Altriper Katholiken in einer Dachgeschosswohnung Gottesdienst (Bild oben). 1931 bekamen sie eine eigene Kirche, die im Zweiten Weltkrieg zerstört, dann aber wieder aufgebaut wurde. FOTOS: SCHNEIDERIn dieser „Maria-Hilf-Notkirche“ wurde ein Altar aufgestellt, und später rief gar eine Glocke zum Kirchgang. Mit Hilfe einer Altriper Kirchenstiftung, eines 1928 gegründeten Kirchenbau-Sammelvereins und der Opferbereitschaft der rund 270 Gläubigen konnte 1931 ein eigenes Gotteshaus eingeweiht werden, das den Namen Sankt Peter und Paul trägt.

Das Gotteshaus, das eigentlich die Stürme von Jahrhunderten überdauern sollte, wurde schon zwölf Jahre später, am 20. Dezember 1943, durch einen alliierten Luftangriff in Schutt und Asche gelegt. Die Sakristei wurde zur Notkirche hergerichtet. Und bis das so weit war, durften die Katholiken in der Protestantischen Dorfkirche ihren Gottesdienst halten. Es sollte dann wiederum zwölf Jahre dauern, ehe Bischof Isidor Markus Emanuel am 11. Dezember 1955 die jetzige Kirche einweihen konnte. Doch noch immer war Altrip „nur“ eine Filialgemeinde von Waldsee.

Als letzter Waldseer Pfarrer war von 1942 bis 1963 Gottfried Knecht für Altrip zuständig. Mit dem Motorrad, dem Fahrrad, der Kutsche und auch schon mal mit einem Feuerwehrauto besuchte er seine Altriper Filialkirche. Er erlebte die Zerstörung „seiner“ Kirche, zeigte im Januar 1943 Bischof Wendel die Ruine und förderte nach Kräften den Bau eines neuen Gotteshauses.

Am 5. Mai 1963 hielt Albert Kraus als erster Altriper Pfarrer die heilige Messe. Kraus sah dieses Amt als besondere Verpflichtung an, nachdem er 1958 von jenem Bischof zum Priester geweiht wurde, der drei Jahre zuvor die Altriper Kirche, die nun „seine“ Kirche war, ihrer Bestimmung übergeben hatte.

Kraus ging mit Eifer an die Arbeit. Täglich gab es nun eine Messe. Schon 1964 bezog er ein eigenes Pfarrhaus, und 1968 konnte ein auf „Regino“ getaufter Kindergarten eingeweiht werden. In jenem Jahr wurde auch der erste Pfarrgemeinderat gewählt. Besonders engagierte sich Kraus zudem für die Senioren. 1973 ließ er erstmals in Altrip an Fronleichnam in einer Prozession den „Himmel“ zu einem Festgottesdienst in den Waldpark tragen und führte ein Jahr später den Christkindelmarkt, den heutigen Adventsbasar, ein.

Sein größtes Verdienst ist aber zweifelsohne der Bau eines Pfarrzentrums, des Edith-Stein-Hauses, mit einer Bühne und einer „guten Stubb’“, für das im Winter so beliebte Sonntagscafé. Und vielleicht ist es bei all diesem Engagement auch kein Wunder, dass er andere angesteckt hat. Jedenfalls sind in den letzten 50 Jahren zwei Gemeindemitglieder Priester und zwei Pastoralreferenten geworden. Am 1. Dezember 1982 trat Albert Kraus eine Pfarrstelle in Limburgerhof an und wurde in Altrip am 9. Januar 1983 unter großer Beteiligung der Gemeinde verabschiedet.

Er war der erste und zugleich letzte Pfarrer, der für Altrip allein zuständig war. Sein Nachfolger, Hermann Mathes, hatte seinen Dienstsitz in Neuhofen und betreute von dort aus Altrip mit. Im Jahr 2000 wurde Altrip mit Neuhofen und Limburgerhof zu einer Pfarreiengemeinschaft zusammengeschlossen. Seit September 2011 bilden Altrip, Neuhofen, Limburgerhof, Otterstadt und Waldsee eine Gemeinschaft. Sitz ist Waldsee. Und damit schließt sich der Kreis ja auch irgendwie wieder.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 08.05.2013 / Wolfgang Schneider)