Rätselhaftes Siebenergeheimnis

Rätselhaftes Siebener-GeheimnisAm 3. Juni ging es um 9.30 Uhr weiter. Da konnte ich noch nicht ahnen, dass dies ein guter Tag werden würde. Ich grub weiter, bis die gesamte untere Fläche freilag. Leider reichte das Sonnenlicht, das durch das Blätterdach drang, nicht für eine nähere Betrachtung aus. Da ich auf der Suche nach Hohlstellen war, entfernte ich an der linken und rechten Seite des Steins das Erdreich bis in eine Höhe von ca. 30 cm. Aber ohne Taschenlampe war nichts zu erkennen. Deshalb beendete ich die erfolglose Suche. Am Nachmittag wollte ich mir den Stein mit Spiegel und Taschenlampe von verschiedenen Seiten anschauen und dann das Loch wieder verfüllen.

Um 11.30 Uhr ging ich zurück zu meinem Fahrrad, das ich am Waldrand zurückgelassen hatte. Ich wollte nach Hause. Unterwegs fiel mir ein, dass sich dort, ca. 190 m südöstlich meiner Grabungsstelle, ein weiterer Grenzstein in Hanglage befindet. Da dieser Stein Nr. 11 55 cm aus der Erde herausragt, und noch 1 Stunde Zeit bis zum Mittagessen war, packte ich den Klappspaten aus und es ging los. Der Boden war nicht fest. Nur einige kleinere Wurzeln behinderten meine Arbeit.

Rätselhaftes Siebener-GeheimnisIn einer Tiefe von 70 cm stieß ich auf zwei abgerundete Steinbrocken, die ich sofort einpackte. Da ich wusste, dass gerne vier Teile von Steinen oder Ziegeln verwendet werden (teils neben und teils unter dem Stein), setzte ich die Grabung fort. Unter dem Stein fand ich noch zwei Steinbrocken, einen abgerundeten und einen eckigen. Bei dem eckigen Teil hatte ich meine Bedenken, ob dieser dazu passt.

Zuhause säuberte ich unter Anspannung die vier Teile mit Wasser und Bürste. Sie sind aus rotem Sandstein. Nach einigen Versuchen beim Zusammensetzen stellte sich heraus, dass es sich eindeutig um das Siebener-Geheimnis dieses Grenzstein handelt. Welch eine große Erleichterung. Neben dem Misserfolg beim 48er Stein hat sich glücklicherweise noch ein Erfolgserlebnis eingestellt. Die Schufterei hat sich zumindest teilweise gelohnt.

Der Sandsteinbrocken war in vier Teile zerlegt worden. Entlang der Sedimentschichten können die Teile fast nahtlos zusammengefügt werden. Bei dem Bruch quer zu den Schichten sind doch einige Absplitterungen zu erkennen. Aber es ist offensichtlich, dass die vier Teile ein Ganzes ergeben. Nach 230 Jahren erblickten sie wieder das Tageslicht.

Rätselhaftes Siebener-Geheimnis

Rätselhaftes Siebener-GeheimnisRätselhaftes Siebener-GeheimnisNach dem Essen fuhr ich zu den Grabungsstellen. Zum einen wollte ich den Fundort fotografieren und dann die Löcher zuschaufeln, um alles in den ursprünglichen Zustand zu bringen. Beim Grenzstein Nr. 11 ging es auch ganz zügig und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Als ich bei dem 48er Stein ankam, packte mich, beflügelt durch den Erfolg, nochmals der Ehrgeiz. Immerhin hatte ich die Rückseite noch nicht untersucht. Zuerst schaufelte ich das Erdreich von hinten auf die Vorderseite, damit der Stein wieder eine feste Basis bekommt und das Grabungsloch aufgefüllt wird. Bei der anschließenden Freilegung der Steinbasis entdeckte ich einen Steinbrocken aus rotem Sandstein und steckte ihn in die Tasche. Weiter Funde stellten sich leider nicht ein.

Dann legte ich die rechte Seite frei, um auch hier nach Hohlstellen zu suchen. So fand ich
auf der Oberfläche zwei Stellen, die mit Lehm gefüllt waren. Mit dem Schraubendreher wurde das Erdreich entfernt. Das kleine Loch schien mir ohne Bedeutung. Aber das große Loch erregte meine Aufmerksamkeit, zumal dessen Querschnitt mit dem des gefundenen Steins übereinstimmen könnte. Ich holte das Fundstück aus der Tasche und reinigte es. Auch das Loch wurde von den letzten Erdresten befreit. 

Rätselhaftes Siebener-GeheimnisMeine Freude war riesengroß als der Stein in das Loch passte, wie ein Schlüssel ins Schloss. Das Siebener-Geheimnis des 48er Steins war wohl geknackt. Aber die Feldgeschworenen, die das Geheimnis vor über 235 Jahren vergruben, haben es mir schwer gemacht, das Rätsel zu lösen. Da der kleine Stein ca. 2 cm aus dem 48er Stein herausschaut, kann man ihn auch wieder entfernen. Wenn er genau mit der Oberfläche abschließen würde, wäre das nicht möglich. Wenn es sich um einen natürlichen Einschluss gehandelt hätte und er wäre beim Eingraben herausgefallen, hätte man ihn an anderer Stelle und in anderer Höhe gefunden.