Chance für neue Ausgrabungen – Einige Überraschungen

Die Kanalisationsarbeiten im Herbst 1961 in der Altriper Ludwigstraße boten sich für eine wissenschaftliche Grabung nach den Resten des spätrömischen Kastells „Alta Ripa“ an. Vom 16. Oktober bis zum 8. Dezember 1961 konnte so auf 78 Meter Länge von der Reginostraße bis zum Kriegerdenkmal der Vergangenheit nachgespürt werden. Doch ehe es so weit war, mussten viele Stellen miteinander kooperieren.

Kastell-ModellDie Grabung des Staatlichen Amtes für Vor- und Frühgeschichte der Pfalz war nur mit Hilfe der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts und der Deutschen Forschungsgemeinschaft möglich. Der örtliche Grabungsleiter, Günter Stein, betrachtete es als ausgesprochenen Glücksfall, dass Professor Günter Bersu, dem schon die Grabungen der Jahre 1926/27 und 1932 zu verdanken waren und der damals auch einen Kastellplan anlegte, wiederholt vor Ort praktische Hinweise geben konnte. Ziel der Grabung vor 40 Jahren war, das Ergebnis der seit 1884 vorangegangenen vier Ausgrabungen zu überprüfen und zu ergänzen. 

Entgegen den Kastellbauten der frührömischen Zeit, die zumeist Erdwälle aufwiesen und auf dem zurückliegenden Hochufer errichtet wurden, war dies Kastell aus Sandstein und Ziegel gebaut mit drei Meter starken Außenmauern. Unmittelbar an der Rheingrenze gelegen, hatte es noch zwei brückenkopfartige Vorwerke auf rechtsrheinischer Seite. 

Im „Hauptquartier“ der Ausgräber, in einem großen Raum der Ludwigsschule, wurden auf einer langen Tafel und auf dem Boden die Bodenfunde sorgsam in Kartons und Schächtelchen geordnet. In einer Wasserwanne wurden rund 1700 Jahre alte Holzteile aus der Brunnensohle des Kastells gelegt.

Hilfreiche Dienste leisteten bei dieser Arbeit der Leiter des Arbeitskreises „Alta Ripa“, der Volksschulrektor Erich Dudy und der Grabungshelfer Franz Schneider. Bei allen Arbeiten, die teilweise bei schlechtem Wetter durchzuführen waren und bei der den Ausgräbern immer wieder die Kanalbauer im Nacken saßen, zeigte sich, dass nicht nur Goldgräber, sondern auch Ausgräber, die im Schutt der Geschichte wühlen, manchmal auch ein Quäntchen Glück brauchen.

Neu war so der Nachweis, dass es schon eine römische Bebauung vor dem Kastellbau gab. Reste eines Plattenbodens und von bemaltem Wandputz weisen auf die Relikte einer Villa oder eines Vicus hin. In Höhe der Kirche wurde in der Straßenmitte der über vier Meter tiefe Kastellbrunnen entdeckt. Die Kastellreste liegen rund zwei Meter unter dem heutigen Bodenniveau. Insoweit war es günstig, dass die Kanalgräben 3,50 bis 5,50 Meter tief waren und eine Breite von 2,50 Meter aufwiesen. Die Ergebnisse von 1961 bestätigten den ursprünglichen Plan mit einer trapezförmigen Anlage und teilweise rhombischen Räumen. Zur allgemeinen Überraschung konnte auch im früheren Kastellbereich eine frühmittelalterliche Bebauung mit einem Friedhof aus der Merowingerzeit freigelegt werden.

Die Kastellgrabung und ihre wissenschaftliche Auswertung gewann vor allem dadurch an Bedeutung, weil die Unterlagen, zahlreiche Stücke römischer Feinkeramik und diverse Kleinfunde aus früheren Ausgrabungen teilweise durch Kriegseinwirkung verloren gingen. Während den Forschungsarbeiten fanden allwöchentlich Zusammenkünfte des Arbeitskreises „Alta Ripa“ statt und immer mehr Einwohner nahmen teil.

(Wolfgang Schneider | 2005)