Volksfeststimmung bei Rathauseinweihung

„Altrip braucht ein neues Rathaus”, darin war sich der Gemeinderat 1949 einig und bekräftigte damit eine Forderung aus dem Jahre 1939. Als Standort war schon damals der so genannte Baumannsche Garten im Ortszentrum festgelegt worden, der im Krieg Feuerlöschteich werden sollte und eine Grünanlage war. Bis die Finanzierung stand, sollte aber wenigstens die Anlage „Rathausplatz” heißen. So kam es denn auch, wenngleich die KPD lieber „August-Bebel-Platz” gesehen hätte.

Nach einigem Hin und Her erhielt der Altriper Architekt Ludwig Hochlehnert ein Jahr später den Auftrag zum Bau. Für die Rohbauarbeiten schlossen sich die Altriper Bauunternehmer Ludwig Hochlehnert, Fritz Gropp sowie Willi, Max und Eugen Hofacker zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Auch beim Innenausbau kamen – soweit möglich – Altriper Handwerker zum Zug.

Nach fast einjähriger Bauzeit war es dann soweit: Am 18. August 1951 wurde das neue Rathaus nebst einem Feuerlöschgerätehaus eingeweiht. Zuvor gab es aber bei der letzten Sitzung im alten Rathaus Streit, weil ein Teil des Gemeinderats nur eine eintägige Feier und Bürgermeister Adam Jacob ein zweitägiges Volksfest wollte. Letztlich setzte sich aber der Bürgermeister durch.

Die Ehrengäste mussten gut zu Fuß sein, denn der Bürgermeister gab zunächst noch im alten Rathaus einen Überblick über die Geschichte Altrips. Nach einem Fußmarsch zum neuen Gebäude fand die Schlüsselübergabe durch Architekt Hochlehnert statt. Nach der Besichtigung aller Räume wurde im Hof das Feuerlöschgerätehaus an den Wehrführer Georg Baumann übergeben. Anschließend schlenderten die Gäste zur Feier in die Sporthalle. Abends ging es wieder zum Rathaus zurück, wo nach einem Standkonzert und Liedvorträgen Bürgermeister Jacob vom Rathausbalkon nochmals eine Ansprache hielt. Und wieder ging es weiter. Diesmal zum Waldpark, wo bereits echte Volksfeststimmung herrschte.

Am nächsten Tag besichtigten rund 2000 Menschen das neue Rathaus. Im Erdgeschoss wurde die Gemeindekasse und das Einwohnermeldeamt eingerichtet, und daneben auch die Kreissparkasse, während Verhandlungen wegen der Poststelle ergebnislos blieben. Das erste Obergeschoss beherbergte neben den Räumen für den Bürgermeister und seinen Vertreter das Standes-, das Wohlfahrtsamt, die Kanzlei und einen großen und kleinen Sitzungssaal, und im Dachgeschoss war noch Platz für eine Hausmeisterwohnung. Damals wie heute wurde der Ratssaal bewundert: mit den schweren handgetriebenen Leuchtern, die einen Fischernachen (Kahn) tragen, sowie das Tragegebälk mit den eingeschnitzten Worten: „Nach großen Worten mögen Taten folgen.” Nach einem großen Festumzug sowie Volks- und Kinderfeste im Waldpark endeten die Einweihungsfeierlichkeiten im feenhaft beleuchteten Park.

(Wolfgang Schneider | August 2001)